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Marlene Ropac

STIMMEN DER AKADEMIE: FESTSCHRIFT ZUM 10. JUBILÄUM

Filmschaffende in den Mittelpunkt stellen“: Über ein Jahrzehnt war Marlene Ropac Geschäftsführerin der Akademie des Österreichischen Films, Ende 2020 geht sie in Pension. Im großen Abschiedsinterview spricht sie mit Oliver Stangl über bescheidene Anfänge, besondere Erfolge, engagierte Weggefährten und den Filmpreis als Vertretung von Kulturpotenzial.

Nebenstehend zum Download: Marlene Ropacs Abschiedsinterview mit Irene Schwingenschlögl für das Magazin „Film, Sound &Media“ (Ausgabe Dezember 2020)

Frau Ropac, erinnern Sie sich noch daran, wie Sie zum ersten Mal von dieser neuen Sache namens Österreichischer Filmpreis gehört haben?

Ich wurde sozusagen geheadhunted. (Lacht.) Ich glaube, Gründungsobmann und Filmproduzent Josef Aichholzer – den ich persönlich nicht kannte – hat meine Nummer durch eine Freundin erhalten und gefragt, ob ich mich mit ihm sowie Kollegen und Kolleginnen treffen möchte, die kürzlich die Akademie des Österreichischen Films gegründet hatten. Gesucht wurde eine Geschäftsführung, die das Projekt organisatorisch vorantreiben könnte – finanziell und auch in anderer Hinsicht. Mich hat das gleich sehr gelockt, da ich zuvor drei Jahre im Tanzquartier Wien als Kommunikationsleiterin gearbeitet hatte, aber mit einem Bein schon auf der Suche nach einer neuen Aufgabe war.

Welche Art von Fähigkeiten hat die Akademie für die Geschäftsführerin genau gesucht?

Ich glaube, das Anforderungsprofil war Trümmerfrau oder so etwas in der Richtung. Ich kann mich an das erste Gespräch in einem Café mit Josef Aichholzer, Agnes Pluch und Martin Ambrosch erinnern. Das waren sozusagen die Gesandten des Gründungskomitees. Der Tenor lautete ungefähr: „Wir haben jetzt gegründet und würden gern in spätestens einem Jahr die erste Gala durchführen. Wir brauchen jemanden, bei dem alles zusammenläuft und ein Büro aufbaut. Jemand, der quasi beginnt. Wir haben 2000 Euro beisammen und müssen starten. Ohne Büro, ohne Computer.“ Wir haben also wirklich ganz basic begonnen.

Wie haben Sie begonnen, die Strukturen aufzubauen?

Ich habe recherchiert, wie das andere Akademien machen, hatte lange Gespräche. Es gab schöne Begegnungen mit Vorstandsmitgliedern wie Rupert Henning, Karl Markovics, Uschi Strauss. Wir haben noch sozusagen fliegend, aus dem Wohnzimmer heraus, in Kaffeehäusern die ersten Unternehmungen geplant. Vor allem stellte sich die Frage, welcher Fachverband uns Geld geben kann, damit es ein erstes größeres Treffen geben könnte. Wie bekommt man Mitglieder? Wie können wir alles aufstellen? Haben wir das Geld, um ein kleines Büro aufzustellen? Das war wirklich alles offen. Wir haben mehr oder weniger in einer Garage begonnen, im Nebenraum vom Dachverband der Österreichischen Filmschaffenden. Ich weiß, man hört das dort nicht so gern, aber es war doch eine Abstellkammer. (Lacht.) Es hat fast niemand benutzt, es war vollgeräumt mit Dingen aus diversen Verbänden. Im Spittelberger Haus, im ÖFI, konnten wir also dieses sechs Quadratmeter große Büro beziehen. Da hatte ich schon Barbara Lindner gebeten, mir zu helfen, die sich dann vorbildlich und akribisch um das Wahlverfahren gekümmert hat. Es war klar, dass nicht alles allein zu stemmen war. Barbara war auch gleich voller Feuer und Flamme. Wir haben einfach begonnen. Das ÖFI-Haus war ein guter Ort, denn daneben war der Drehbuchverband, der Fachverband und so weiter. Alle haben uns weitergeholfen. Die ersten zwei Jahre haben wir auf engstem Raum aber mit großer kollegialer Unterstützung der lieben Filmleute verbracht.

Unterstützung gab es also von Anfang an?

Die war auch notwendig, denn Barbara und ich kamen aus dem Kulturbetrieb, von der Bildenden Kunst, also aus eher anderen Richtungen. Wir haben uns aber beide sehr für Film interessiert. Wir mussten uns sehr intensiv damit beschäftigen, um zu verstehen, was Film ist. Das war aber auch eine große Freude für uns und hat Spaß gemacht. Eine echte Herausforderung.

Was waren die Motive für die Gründung der Akademie bzw. des Filmpreises?

So wie mir das damals erzählt wurde, war der Oscar für Stefan Ruzowitzky (DIE FÄLSCHER, 2007; Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film 2008, Anm.) ein Weckruf für die Filmszene und die Förderpolitiker, zum Beispiel für den damaligen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Es ging um die Frage, was so ein Preis für einen Film generieren kann. Schon die Nominierung, schon die Einreichung bringt ja Aufmerksamkeit. Da ging es nicht nur um den Oscar, in diesen Jahren haben ja viele österreichische Filme große internationale Preise auf bedeutenden Festivals erhalten. Man sprach damals von einem österreichischen Filmwunder. Es war also wirklich der richtige Zeitpunkt, die Sache anzugehen. Ein nationaler Filmpreis ist im Grunde eine klare Sache. Wir waren in Europa unter den jüngsten Filmakademien. Kurz nach der Gründung waren Josef Aichholzer und ich beim Treffen der europäischen Filmakademien in Karlovy Vary eingeladen. Dort haben wir auch die Einschätzungen unserer Kollegen erfahren. Orientiert haben wir uns dabei zunächst vor allem an der Deutschen Filmakademie – obwohl die Sache in Deutschland strukturell anders funktioniert als bei uns.

Eine Sache, in die in den ersten Jahren viel Mühe geflossen sein muss, war wohl das Auftreiben der finanziellen Mittel …

Zunächst hieß es, dass der Wirtschaftsminister das will. Also würde es auch Geld geben. Wir müssten eben die Basis aufstellen. Die Verwertungsgesellschaften und die Wirtschaftskammer haben Hilfe zugesagt. Die Gründungsmitglieder waren ungefähr 30 Personen, tolle Filmschaffende. Man hat auch geschaut, dass noch weitere Leute mit Renommee beitreten. Auch mit dem ORF und den Bundeskanzleramt haben wir gesprochen, mit dem ÖFI, dem Filmfonds Wien. Und mit allen, die heute auf unserer Sponsorenliste stehen. Man holte sich hier einen Tausender, da einen Tausender. Dann haben wir das erste Get-together am Ringturm organisiert. Es kamen irrsinnig viele Menschen, darunter auch der damalige Viennale-Direktor Hans Hurch, und meinten: „Na, ob das was wird?“ Der damalige Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny war damals begeistert und hat gespürt, dass er es mit Menschen zu tun hat, die wirklich etwas auf die Beine stellenwollen. Nicht irgendeine Sparte oder Eigenwerbung, sondern ein Zusammenkommen der Branche, das gemeinsame Ziehen an einem Strang. Es ging um die Vertretung von Kulturpotenzial.

Die erste Präsidentschaft setzte sich aus Karl Markovics und Barbara Albert, danach übernahmen Stefan Ruzowitzky und Ursula Strauss zusammen. Wichtige Aushängeschilder?

Unbedingt. Die Präsidenten sind für jede Akademie die wichtigen Gesichter nach außen. Karl war mit Feuer und Flamme dabei, ging mit uns zu jedem Wirtschaftskammerpräsidenten, zu allen Förderstellen. Wir haben überall versucht, die Begeisterung zu entfachen.

Und dann kam etwas Unvorhergesehenes.

Der Punkt war der, dass es 2008 zu einer Weltwirtschaftskrise kam. Es gab plötzlich kein Geld mehr. Alles, was uns vom Wirtschaftsminister versprochen worden war, konnte die nächsten zwei Jahre nicht eingehalten werden. Es war von großen Fernsehübertragungen die Rede gewesen, auch Preisgelder wurden überlegt. Aber dann war gar nichts da. Wir hatten schon den zweistufigen Wahlvorgang laufen, die Einreichungen waren gestartet, kurz nachdem die Statuten erfunden worden waren. Wir haben zu Beginn festgelegt, welche Kategorien wir auspreisen wollen. Eva Spreitzhofer hat sich damals für die Kategorie Beste Musik ins Zeug gelegt, obwohl wir noch keinen einzigen Musiker als Mitglied hatten. Da mussten wir dann schauen, Musiker und Komponisten als Mitglieder zu bekommen. Dann war die Frage, wer uns die Skulptur machen kann. Da fiel die Entscheidung eh schnell auf VALIE EXPORT. Und dann: kein Geld. Es gab ein Sparbudget, nur extrem minimale Förderungen. Gerade so viel, dass Barbara und ich das kleine Büro in Betrieb halten konnten. Wir standen also vor der Herausforderung, uns keine Gala leisten zu können. Wir überlegten und wollten zumindest eine Pressekonferenz machen und verkünden, wer gewählt wurde. Und schließlich konnten wir doch noch eine kleine Gala machen. Mit geschenkten Knackwürsten von Radatz und vielen anderen Sponsoren, die uns bis heute treu geblieben sind, zum Beispiel das Weingut Dürnberg. Alle haben mitgeholfen, alle haben gratis gearbeitet. Rupert Henning hat Regie geführt und moderiert, das Odeon Theater hat uns die Räumlichkeiten gratis zur Verfügung gestellt, weil Karl Markovics am Serapionstheater begonnen hat. Es war eine unglaublich nette Koalition von engagierten Filmschaffenden. Das war also die legendäre erste Gala, wo ganz wichtige Leute Stehplätze bekamen. Es tauchten so viele Leute auf, dass die Garderobe aufgegeben hat. Es gab keine Kleiderhaken mehr, ich erinnere mich an Berge von Mänteln, die im Foyer aufgeschichtet waren. Es gab kaum eine Bühne, noch keine Skulptur. Es gab nur Urkunden. Tobias Moretti meinte, dass man hinten am Programmzettel die Zeichnung der Skultpur ausschneiden könne, um sich selbst eine Skulptur zu basteln. Noch heute denken alle mit großer Herzwärme an diese Anfänge zurück. Man zeigte, dass es nicht um Eitelkeit und Glamour ging, sondern um die gemeinsame Sache und um die Feier von Film als Kunst. Ein Riesenspaß, eine unglaublich gute Stimmung. Gewonnen hat die Komödie DIE UNGLAUBLICHE ENTFÜHRUNG DER ELFRIEDE OTT von Andreas Prochaska. Das war auch untypisch, dass eine Komödie gewinnt. Die Beste Regie ging an DER RÄUBER und zum Besten Dokumentarfilm wurde DIE VERRÜCKTE WELT DER UTE BOCK gewählt. Ute Bock hat auch eine schöne Rede gehalten mit ihrer Handtasche und ihrer Faltenbluse. Die Zeitungen haben darüber geschrieben, der ORF hat eine nette Zusammenfassung gebracht. Der Tenor ging dahin, dass man es toll findet, sich nach den wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht an Glamour zu orientieren, sondern die Filmschaffenden in den Mittelpunkt zu stellen.

Nach dem schönen Intermezzo in den mittlerweile nicht mehr existenten Rosenhügelstudios etablierte sich ein Rhythmus: Der Filmpreis wird seither alternierend in Wien und in Grafenegg vergeben. Wie kam es dazu?

Das hat sich auch aus Finanzierungsgründen so entwickelt. Wir hatten zunächst eine Verleihung im Wiener Rathaus. Zunächst auch noch sehr spröde und reduziert, ohne große Ansprachen von Laudatoren und ohne Filmclips. Den Preisträgern wurde gesagt, dass sie sich kurz halten sollten. Immerhin gab es genug zu essen und zu trinken. Es war ein schönes, großes Fest, obwohl wir uns finanziell schon etwas übernommen hatten. Wir fragten uns, wie wir die Gala im nächsten Jahr stemmen sollten. Denn die Wirtschaft hat sich nicht so schnell erholt. Bei dieser Gala war Erwin Pröll, der damalige Landeshauptmann von Niederösterreich anwesend, da viele vom Land Niederösterreich geförderte Filme nominiert waren. Er saß begeistert in der ersten Reihe, hat dort Seidl gratuliert, der einen Preis gewonnen hat. Pröll bot mir direkt bei der Gala an, die Preisverleihung auch einmal in Grafenegg zu machen: „Das wäre doch schön, überlegt euch das.“ Er hat auch vorgeschlagen, die Gala im Sommer zu machen, das haben wir aber aus terminlichen Gründen nicht gemacht. Abgesehen davon war es aber ein tolles Angebot. Wir haben zehn Busse bestellt, die anderen sind mit den Autos gefahren. Wir haben eine Landpartie nach Niederösterreich gewagt und alle sind gekommen. 1200 Leute waren beim vierten Filmpreis. Und dann ging es so weiter. Wir hätten theoretisch auch jedes Jahr in Grafenegg sein können. Pröll war sehr begeistert. Es war dann so etwas wie eine Ampel zwischen Wien und Niederösterreich. Das war auch für die Förderer gut.

Gab es in den Jahren seither manchmal Verschnaufpausen oder war es immer gleich schwierig, das Geld aufzutreiben?

Das war immer schwierig. Nach drei oder vier Jahren musste man den Fördergebern nicht mehr ganz so sehr beweisen, dass man es kann. Es war auch schon akzeptiert, dass bald nach dem Neujahrskonzert der Filmpreis stattfindet. Wie das so ist: Wenn man zeigt, dass man mit wenig Geld auch was Tolles machen kann, glauben alle, dass es so weitergeht. Es war schwierig, zu überzeugen, dass das alles auf besseren Beinen stehen muss. Nicht ganz so ehrenamtlich, denn es haben ja alle wochenlang immer gratis gearbeitet. Kostümbildner, Maske, Vorstand und so weiter. Wir haben immer mehr Sponsoren gefunden, aber wir haben jedes Jahr wahnsinnig gekämpft.

Vor einigen Monaten dann der Meilenstein: die 10. Gala zum Österreichischen Filmpreis.

Man glaubt es kaum.

Kann man nach diesem Meilenstein sagen, dass der Österreichische Filmpreis eine fixe Größe in der hiesigen Kulturlandschaft darstellt?

Er ist bekannt, auch in ganz Europa. Ich bin immer wieder nach Karlovy Vary gefahren. Vor zehn Jahren konnte sich dort niemand vorstellen, dass wir etwas machen, noch dazu ohne Filmclips oder Fernsehübertragung. Mittlerweile hat sich viel geändert, die meisten Preise streamen nur noch. Sie sind natürlich für ein spezielles Publikum interessant. Die Filmausschnitte und Zusammenfassungen sind dann auch für das breite Publikum interessant. Da erleben sie dann ihre Stars und Menschen, die sie kennen. Das ist wichtig. Uns war wichtig, dass der ORF nicht nur die Gala überträgt, sondern auch die Filme zur Primetime zeigt. Das ist auch immer besser gelungen, zum 10. Jubiläum sind wochenlang österreichische Filme gelaufen. Das ist in der Zwischenzeit eine großartige Zusammenarbeit, wir haben einige Sendungen zusammen gestaltet. Auch während des Jahres machen wir ja Veranstaltungen, zum Beispiel den Abend der Nominierten, über den auch immer groß berichtet wird. Seit dem dritten Filmpreis gibt es auch den Kurzfilmpreis. Es gibt ein wunderschönes Projekt mit dem Außenamt, die Österreichische Kurzfilmschau, wo die österreichischen Kurzfilme rund um die Welt geschickt und in Kulturinstituten gezeigt werden.

Internationales Engagement ist der Akademie also wichtig?

Ja, denn immer, wenn ich an den Österreichischen Filmpreis denke, denke ich auch an den europäischen Film. Man darf nicht immer nur an das Nationale denken. Es geht auch um die Lebenswelt der Menschen, die hier leben. Dass die auch gezeigt werden. Man sieht das ja an Preisträgern wie Murathan Muslu, der für RISSE IM BETON (R: Umut Dag, 2014) ausgezeichnet wurde. Die Filme sollen zeigen, wie eine Kulturlandschaft gesellschaftspolitisch denkt.

Wenn Sie an all die Jahre zurückdenken: Was hat Ihnen die größte Freude bereitet?

Mich hat sehr gefreut, dass der erste Ehrenpreis, den wir vergeben haben an Josef Aichholzer ging. Ich hoffe, dass das mit den Ehrenpreisen weitergeht, dass man sich immer wieder überlegt, wer ihn verdient. Diejenigen, die sich um das hiesige Filmschaffen verdient gemacht haben. Es ist auch schön, dass wir jetzt ein größeres Büro mit einem kleinen Garten haben. Wenn die Filmschaffenden gegenüber beim ÖFI einreichen, kommen sie auch gerne bei uns vorbei.

Die Akademie ist auch deutlich gewachsen, bewegt sich langsam, aber sicher auf 600 Mitglieder zu. Wachstum kann schön, aber auch eine Herausforderung sein.

Klar, größere Strukturen verlangen auch mehr Geld. Als Peter Payer 2017 die Gala im Rathaus inszenierte, sagte er, dass jetzt Schluss sein müsse mit Verleihungen ohne Filmausschnitte. Mit viel Sponsoring, zum Beispiel The Grand Post, die uns die Filme gratis schneiden, haben wir das hinbekommen. Allerdings wird durch solche Dinge die Latte auch immer höher gelegt. (Lacht.) Aber ja, alle freuen sich über die Filmausschnitte, so karg hätten wir das bis zum 10. Mal nicht durchhalten wollen.

Ist es denkbar, dass weitere Preiskategorien eingeführt werden?

Heuer hatten wir ja schon ganz neu den Ehrenpreis und den Publikumspreis dabei. Auch das ist eine gute Sache, die Wirtschaftskammer erhebt, welcher Film in einem bestimmten Jahr die meisten Tickets verkaufen konnte. Manchmal war es schon so, dass ein derart beliebter Film auch von der Akademie ausgezeichnet wurde. Meist aber nicht. Das Publikum ist ein wichtiger Förderer des heimischen Filmschaffens. Ohne Publikum kein Kino. Gleichzeitig gibt es natürlich Filme, die sperriger und spezieller sind, aber für eine bestimmte politische oder kulturelle Haltung stehen, die Themen angehen, die sich viele nicht freiwillig antun. Es gibt wirklich wunderbare Dokumentationen hier und auch sehr Unterschiedliches. Es gibt sehr viele Bildsprachen. Der Preis ist eine schöne Sache, ein Spotlight für die Medienlandschaft, das Publikum. Wichtig ist auch, dass die Filmszene selbst die Filme sieht, die hier produziert werden, auch über Video-on-Demand. Früher, wenn über hiesige Filme geschimpft wurde und man nachfragte, wieviele österreichische Filme in einem Jahr denn im Kino laufen würden, hieß es manchmal: „Vier oder fünf.“ Dabei waren es zehnmal mehr. Durch die Akademie gibt es glaube ich mittlerweile ein ganz anderes Gefühl dafür.

Beim Jubiläum vor wenigen Monaten waren noch über 1000 Leute anwesend. Dann kamen Corona und der Lockdown.

Wir hatten noch Glück, dass wir den Filmpreis immer Ende Jänner veranstalten. Die Italiener, die Deutschen usw. mussten alles virtuell auf die Bühne bringen. Da waren teils schräge Veranstaltungen mit schlechtem Ton dabei. Nach zwei Monaten Corona war uns auch klar, dass nicht alle Filme im Kino landen werden, die bei uns einreichen sollten. Ende Juni hätten wir eigentlich Einreichstart, aber nur die Hälfte hat es bislang ins Kino geschafft. Da wird es dann im Herbst einen Stau geben. Ein bisschen besser ist es ja jetzt, die Kinos konnten früher aufsperren. Jetzt muss das Kinojahr zustande kommen. Daher haben wir uns entschlossen, den Filmpreis zu verschieben. Die nächste Gala wird also diesmal Ende Juni 2021 stattfinden. Im Sommer, wie es sich Erwin Pröll immer gewünscht hat. (Lacht.) Aber diesmal in Wien. In den letzten Monaten ist ja viel darüber geschrieben worden, wie sich das Kino entwickeln wird, ob die Menschen nur noch streamen werden und zuhause bleiben. Aber wir werden die nächste Gala im Kino machen. Dort, wo wir hingehören und wo wir sein wollen.

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